Die Entstehungsgeschichte Kerzells

Die Entstehungsgeschichte Kerzells kann man als Folge der Gründung des Benediktinerklosters in Fulda bezeichnen.

Diese erfolgte bereits in 744 durch Bonifatius und Sturmius und wurde durch die Geländeschenkung der sogenannten „Karlmannschenkung“ möglich. Die Fläche betrug etwa 50 Quadratkilometer Einöde und diente der Erwirtschaftung der Lebensgrundlage der Klosterinsassen.

Kerzell liegt an der südwestlichen Grenze innerhalb der „Karlmannschenkung“, die durch die beiden Bäche Fliede und Döllbach begrenzt wird.

Wann die eigentliche Gründung Kerzells erfolgte, ist nicht bekannt. Die nach heutigem Stand der wissenschaftlichen Forschung urkundliche Ersterwähnung ist eine Notiz vom 15. August 1165. Sie liegt dem Staatsarchiv Marburg als Abschrift aus dem 14. Jahrhundert vor.

Da in dieser Urkunde der Ort „Chelnerescelle“ (das heutige Kerzell) zu einer Abgabenerhebung für das neue Hospital in Fulda herangezogen wurde, ist von einer gewissen Größe der Ortschaft auszugehen. Zell-Orte sind rund um das Kloster Fulda bereits im 8. Und 9. Jahrhundert angelegt worden. Bis es vom vormals bezeichneten „Chelnerescelle“ zum heutigen Kerzell kam, wurde die Schreibweise des Ortes noch einige Male geändert.

Unser Ortsname leitet sich aus zwei Begriffen ab:

Cellarius und Cella.

Beide Begriffe zusammen bedeuten: Die Zelle des Kellermeisters. Dieser wiederum hatte die Aufgabe für die Verpflegung der Klosterinsassen und Gäste zu sorgen, Vorräte anzulegen und Inventarlisten zu führen.

Umliegende Gehöfte und Aussiedlungen außerhalb Kerzells sind zum Teil schon früher urkundlich erwähnt, wie zum Beispiel „Weidemannesbruggun“, die spätere Weimesmühle, die bereits im Jahr 1011 in einer Urkunde aufgeführt wurde. Weitere umliegende Gehöfte sind der Sulzhof, die Ziegelhütte sowie der Nüchtershof.

Im Zuge der Vorbereitungen für unser Dorfjubiläum hat sich eine Arbeitsgruppe „Kerzeller Geschichte“ gegründet, welche die Erstellung einer Dorfchronik vorbereitet, die nach Ablauf des Festjahres erscheinen soll. Unter der Federführung von Paul Hainer werden Nachforschungen im Hessischen Staatsarchiv Marburg sowie bei vielen amtlichen und privaten Stellen durchgeführt. So wurde Bildmaterial und Kerzeller Geschichten gesammelt.

Die „Viehbedeliste“ aus dem Jahr 1510, die „Türkensteuerliste“ von 1605 sowie das „Salbuch“ von 1708 liefern wertvolle Hinweise auf unsere Geschichte, Einwohnerzahlen und Namen, Wohn- und landwirtschaftliche Gebäude.

Im Jahr 1913 lebten in Kerzell 350 Personen, heute sind es etwa 850 Personen. Die Ortschaft mit allen Gehöften und Wohngebieten umfasst etwa 230 Wohnhäuser und eine Gesamtfläche von 513 Hektar.

Seit 1. Juli 1972 gehört Kerzell durch die Gebietsreform zur Großgemeinde Eichenzell.

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